Wortkonfetti
Sonntag, 3. Juni 2012
Depression im Kühlschrank
Habt Ihr sie auch schon gesehen - den schockierten Käse, den traurigen Apfel und das frustrierte Brot? Ich finde die Motividee der Kampagne "Zu gut für die Tonne" wahnsinnig gelungen. Ich bin mir zwar unsicher, ob sie Männer genauso anspricht wie Frauen, aber hey, in vielen Fällen sind es ja ohnehin die Frauen, die über Kühlschrank und Lebensmittelzubereitung wachen, so dass sie die wichtigere Zielgruppe sind. Bei mir kommt die Idee jedenfalls sehr gut an. Die Botschaft der Kampagne ebenso. Wir versuchen auch, so wenig Lebensmittel wie möglich wegzuwerfen. Das gelingt nicht immer, aber doch schon recht gut. Gerade der Liebste ist ein echtes Genie in Sachen Resteverwertung.
Schublade:
Leben
Samstag, 2. Juni 2012
Eichhörnchen
Sie hatte etwas Zeit, sich zurechtzumachen. Vorsichtig zog sie den Lidstrich und war wieder einmal überrascht, wie effektvoll so eine schwarze Linie entlang des oberen Wimpernrandes sein kann. Tiefer werden die Augen. Präsenter. Ihr gefällt´s. Ein wenig Rouge, ein bißchen Lippenstift, die Wimperntusche nicht zu vergessen. Zufrieden schaut sie in den Spiegel, in dem sich plötzlich etwas bewegt. Sie selbst ist es nicht, aber im Abbild des Gartens, das sich auf der blanken Fläche zeigt, herrscht plötzlich Leben. Sie dreht sich um Fenster, neigt den Oberkörper etwas nach unten, um einen freien Blick durch das vom Plissée freigegebene Glas zu haben. Ein Eichhörnchen. Quietschzufrieden huscht es über den Rasen, hält inne, dreht sich in die andere Richtung, kraxelt auf den Baum, von dem es später wieder hinunterflitzt. Idylle inmitten der Großstadt. Flink wie das Eichhörnchen huscht das zufriedene Gefühl, ein Zuhause zu haben, durch ihren Brustkorb. Einen Ort, der Rückzug und Freiheit zugleich ist. Wo sich die Liebe wohl fühlt und der Müßiggang einlädt.
Eine Heimat.
Eine Heimat.
Schublade:
Herz
Janice Deaner: "Als der Blues begann"
Was macht meine Mutter so krank? Was ist vor einigen Jahren Schreckliches geschehen, das meiner Mutter so eine große Narbe an die Hüfte und einen Gehstock gebracht hat? Und was hat der Jazz mit all dem zu tun? Diese Fragen und die ständige Gewissheit, das ein großes Geheimnis ihre Familie nach und nach zerstören wird, begleiten die zehnjährige Maddie durch ihre Kindheitstage. Zwischen Neugierde und schlechten Gewissen hadernd, macht sie sich auf Spurensuche und dringt zusammen mit ihrer Schwester Elena und ihrer Freundin Lizzy in die New Yorker Vergangenheit ihrer Mutter ein und erfährt nach und nach, was damals geschehen ist.
Ein spannendes, ergreifendes Buch über einen schrecklichen Schicksalsschlag, belastendes Schweigen, fragile Familienbande und den Kampf zwischen Schwarzen und Weißen im Rotlichtviertel. Und über die Macht von Musik.
Ein spannendes, ergreifendes Buch über einen schrecklichen Schicksalsschlag, belastendes Schweigen, fragile Familienbande und den Kampf zwischen Schwarzen und Weißen im Rotlichtviertel. Und über die Macht von Musik.
Schublade:
Buch
Montag, 28. Mai 2012
Wolfgang Herrndorf: "In Plüschgewittern"
Rein zufällig habe ich den Debütroman von Bestseller-Autor Herrndorf vor ein paar Wochen bei Thalia gekauft. Ich hatte zwar vom gefeierten Roman "Tschick" gehört - allerdings hatte ich dessen Autor namentlich nicht im Kopf. Das Cover und der Klappentext waren es, die mich zugreifen ließen. Als ich dann später feststellte, von wem ich da jetzt etwas im Regal habe, wuchs die Erwartung natürlich.
Und was soll ich sagen? Sie wurden enttäuscht. Was mir gut gefiel, waren der trockene Humor des Protagonisten und seine vom Gegenwärtigen abschweifenden Gedanken. Aber beides reichte nicht, um mich das ganze Buch über - und das ist dann doch recht dünn - zu unterhalten. Irgendwie ist das Buch eine missglückte Anlehnung an Regners "Herr Lehmann". Zielloser Typ in Berlin, den das Schicksal mal hier, mal dorthin lenkt. Alkohol, Liebeskummer, Parties. Vielleicht habe ich den tieferen Sinn hinter all dem überlesen, aber ich kann das Buch nicht weiterempfehlen. Punkt.
Und was soll ich sagen? Sie wurden enttäuscht. Was mir gut gefiel, waren der trockene Humor des Protagonisten und seine vom Gegenwärtigen abschweifenden Gedanken. Aber beides reichte nicht, um mich das ganze Buch über - und das ist dann doch recht dünn - zu unterhalten. Irgendwie ist das Buch eine missglückte Anlehnung an Regners "Herr Lehmann". Zielloser Typ in Berlin, den das Schicksal mal hier, mal dorthin lenkt. Alkohol, Liebeskummer, Parties. Vielleicht habe ich den tieferen Sinn hinter all dem überlesen, aber ich kann das Buch nicht weiterempfehlen. Punkt.
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Buch
Sonntag, 27. Mai 2012
Da war ja noch was...
Nämlich das Herbert Grönemeyer-Konzert letzte Woche. Hätte ich die Karten nicht dem Liebsten zum Geburtstag geschenkt, wäre ich dort wohl nicht gelandet. Und was soll ich sagen - das wäre schade gewesen! Von "Schiffsverkehr" über "Alkohol" und "Mambo" bis hin zu "Zeit, dass sich was dreht" präsentierte uns Herbert sein Können in mitreißender Art und Weise. Seine Bühnen-Performance ist schon echt skurril: Er bewegt sich immer ein wenig, als hätte er sich was eingeschmissen, und gleichzeitig weiß man, dass das nicht der Fall ist. Alt ist er geworden, das Gesicht macht einen mitgenommenen Eindruck. Sein Auftritt aber gar nicht. Zwei Stunden Power, vier Zugabe. Zurecht sang am Ende die ganze Halle rund 5 Minuten "Ooooh, wie ist das schön! Ooooh, wie ist das schön! So was hat man lange nicht gesehen - so schön, so schööööön!". Davon war auch Herbert gerührt.
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Musik
Freitag, 25. Mai 2012
Sind wir nicht alle ein bißchen Peter?
Bin über STATION gestolpert. Und dann über dieses video. Kreativ-anschauliche Form. Interessanter Inhalt.
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Kreatives
Samstag, 19. Mai 2012
Florales Geldgeschenk
Ich gehöre ja nicht zur Bastelfraktion, aber in diesem Fall (Konfirmation) schien es mir doch etwas schnöde, das Geld nur in einen Umschlag zu legen. Daher habe ich mir einen kleinen Henkeltopf, ein Blümchen, eine Packung Schaschlikspieße und eine kleine Kreidetafel besorgt, um etwas aufzuhübschen. Et voilà!
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Kreatives
Donnerstag, 17. Mai 2012
Rohinton Mistry: "Das Gleichgewicht der Welt"
Ich hatte viel Zeit im Urlaub. Zwischen all den Aktivitäten wie Sport, Sauna, Radtouren und Wattwanderung gab es ausreichend viele Entspannungsfenster. Und dennoch habe ich es nicht geschafft, mein bereits vor dem Urlaub begonnenes Buch "Das Gleichgewicht der Welt" von Rohinton Mistry zuende zu lesen. Bei meiner Rückkehr hatte ich noch immer 100 Seiten übrig.
Sagt das etwas über die Qualität des Buches aus? Nein. Es war gut. Informativ. Schockierend. Unterhaltsam. Mir persönlich allerdings 200 Seiten zu lang. Ab Seite 500 wurde der Reiz des Weiterlesens kleiner. Worum geht´s überhaupt? Um unterschiedliche Menschen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten, die im Bombay der 70er Jahr aufeinandertreffen. Sowohl die Protagonisten - zwei Schneider - als auch die Nebenfiguren kämpfen mit quälenden Schicksalsschlägen: Verarmung, Zwangskastrierung, Krankheit, Verlust von Nahestehenden, politischer Willkür, Gewalt. Es ist erstaunlich, wie ein Autor es schaffen kann, die traurigen Geschichten dieser Menschen in ein Buch zu packen, das einem nicht permanent den Hals zuschnürt. Mistry beschreibt, ohne moralisch zu werten. Es sind neutrale Schilderungen, die eigen gewählte Gefühle erlauben.
In jedem Fall macht der Roman auf lesenswerte Weise deutlich, wie gut wir es in Europa haben. Das wir es sind, die sich im Gleichgewicht befinden, Bzw. dass durch uns das Gleichgewicht der Welt überhaupt zustanden kommt. Denn eines ist deutlich: das im Buch beschriebene Indien legt sein Gewicht fast vollständig auf die schlechte Seite der Weltwaage. Und ich las davon im Sylter Sonnenschein bei einem kühlen Becks. Schon verrückt.
Sagt das etwas über die Qualität des Buches aus? Nein. Es war gut. Informativ. Schockierend. Unterhaltsam. Mir persönlich allerdings 200 Seiten zu lang. Ab Seite 500 wurde der Reiz des Weiterlesens kleiner. Worum geht´s überhaupt? Um unterschiedliche Menschen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten, die im Bombay der 70er Jahr aufeinandertreffen. Sowohl die Protagonisten - zwei Schneider - als auch die Nebenfiguren kämpfen mit quälenden Schicksalsschlägen: Verarmung, Zwangskastrierung, Krankheit, Verlust von Nahestehenden, politischer Willkür, Gewalt. Es ist erstaunlich, wie ein Autor es schaffen kann, die traurigen Geschichten dieser Menschen in ein Buch zu packen, das einem nicht permanent den Hals zuschnürt. Mistry beschreibt, ohne moralisch zu werten. Es sind neutrale Schilderungen, die eigen gewählte Gefühle erlauben.
In jedem Fall macht der Roman auf lesenswerte Weise deutlich, wie gut wir es in Europa haben. Das wir es sind, die sich im Gleichgewicht befinden, Bzw. dass durch uns das Gleichgewicht der Welt überhaupt zustanden kommt. Denn eines ist deutlich: das im Buch beschriebene Indien legt sein Gewicht fast vollständig auf die schlechte Seite der Weltwaage. Und ich las davon im Sylter Sonnenschein bei einem kühlen Becks. Schon verrückt.
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Buch
Samstag, 12. Mai 2012
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